Bericht

Integration als Mutmacher

Brieuc Van Damme, der neue Geschäftsführer der König-Baudouin-Stiftung reist derzeit durch ganz Belgien um die unterstützten Projekte und Initiativen, aber vor allem die Menschen und Akteure hinter dieser wertvollen philanthropischen Arbeit kennenzulernen. In diesem Rahmen machte Brieuc Van Damme auch Station im Viertelhaus Cardijn in Eupen, das bereits seit Jahren als renommierter sozialer Treffpunkt im Norden Ostbelgiens mehrfach von Fonds unter KBS-Verwaltung unterstützt wird.

Intego-Vorsitzender Bernd Despineux zeigte sich stolz über das gezeigte Interesse an der Arbeit der über 40 Ehrenamtlichen.

Krisen und Katastrophen verschärften die Not

Die Arbeit sei nach der Pandemie und der Flutkatastrophe, die vor allem in der Unterstadt für viel Not und Leid gesorgt habe, wichtiger denn je, denn neben den Kernelementen der sozialen Reintegration und der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen von jungen Leuten sei nun auch die moralische Unterstützung der Menschen entscheidend. „Wir möchten Menschen, die aus den verschiedensten Gründen aus der Bahn geworfen wurden und ihre Orientierung verloren haben neue Perspektiven aufzeigen, ihnen Halt geben und gemeinsam mit ihnen neue Weichen für einen positiveren und selbstbestimmten Lebensweg stellen“.

Reden und Zuhören als Seelenbalsam

Auch die Leiterin des Viertelhauses Cardijn, Bianca Croé, unterstrich die Wichtigkeit der aktiven Sozialarbeit vor Ort. „Wir möchten einen Ort der Begegnung, ein Haus für Alle schaffen, in dem Menschen einander zuhören, voneinander lernen, sich untereinander helfen und gemeinsam gestalten. So schaffen wir gelebte Integration, die nicht nur für Migranten, sondern auch für Hiesige immer mehr an Bedeutung gewinnt“. Die Pandemie und die Flut habe gezeigt, dass viele Menschen isoliert und einsam sind. Diese Notsituationen haben diese Gefühle noch verstärkt, so dass die Betroffenen eine Anlaufstelle, einen Ort des Redens und Zuhörens benötigen. „Zu uns kommen nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund, sondern auch Ostbelgier, die endlich die Hemmschwelle überwunden haben um aktiv Hilfe zu fragen. Das ist genial für eine erfolgreiche Arbeit und eine tolle Basis, um das Projekt der Integration auf allen Ebenen weiter anzukurbeln.“, meint Bianca Croé. Bernd Despineux spricht in diese Zusammenhang auch von einer gewissen „ländlichen Scham“: „Die Armut auf dem Lande versteckt sich, sie ist deutlich weniger sichtbar als in Städten und Ballungszentren!“

Kooperation als Erfolgsschlüssel

Für Brieuc Van Damme ist in diesem Zusammenhang vor allem die Kooperation und die Einbeziehung anderer Sozialorganisationen und Institutionen nachhaltig und somit von besonderer, ja entscheidender Wichtigkeit. „Wir möchten Brücken bauen und Anschubhilfe leisten. Wenn diese Unterstützung gut eingesetzt wird, können wir die Gesellschaft ein wenig besser und gerechter gestalten. Und das wird hier im Viertelhaus Cardijn eindrucksvoll praktiziert und gelebt“, so der KBS-Geschäftsführer anerkennend.

Selbst eine verheerende Naturkatastrophe habe diese wertvolle Arbeit nicht stoppen können, wie Bianca Croé zu berichten weiß. Das angestammte Viertelhaus Cardijn am Scheiblerplatz war bei der Überflutung der Eupener Unterstadt arg beschädigt worden, so dass eine komplette Kernsanierung des Gebäudes unabdingbar ist. „Obschon die Begutachtung der Schäden abgeschlossen ist, wird der erneute Einzug ins Gebäude sicherlich noch mindestens zwei Jahre auf sich warten lassen, so dass wir sehr glücklich über den Umstand sind, dass wir die Petersvilla von der Stadt als Überbrückung zur Verfügung gestellt bekommen haben“, meinte Bianca Croé. In der Monschauer Straße sei das „Viertelhaus Cardijn“ bestens aufgehoben, so dass alle Aktivitäten und Kurse wieder angeboten werden können. Und diese Kurse und Aktivitäten seien aufgrund der Ukraine-Krise noch wichtiger, denn viele Ukrainer, Russen und Afrikaner besuchen momentan das „niederschwellige, interkulturelle Deutschatelier“, bei dem sich die oftmals traumatisierten Teilnehmer stressfrei der Fremdsprache Deutsch annähern können. Die Tatsache, dass die Menschen hier angenommen werden wie sie sind und wertgeschätzt werden, schenkt ihnen neues Selbstvertrauen und dient somit auch gleichsam als „Mutmacher“.

Gefühl des „Ankommens“

„Trotz des interkulturellen Gedankens und der pluralistischen Gesellschaft stellen wir immer wieder gewisse Ressentiments wegen Rasse, Religion und Kultur in unserer Gegend fest. Diese Mauern müssen wir auf jeden Fall überwinden, damit diese Menschen glücklich bei uns werden und komplett integriert werden können“, so Bernd Despineux. Neben den Sprachkursen in Deutsch bietet das Viertelhaus Cardijn zudem eine Hausaufgabenschule sowie die Kleinkindbetreuung an, so dass die unmittelbare Nähe zur Städtischen Grundschule Unterstadt und zum Zentrum für Förderpädagogik einen weiteren Trumpf darstellt. Der dienstags organisierte Mittagstisch für Flutopfer bietet zusammen mit dem Frauenerzählcafé am Mittwoch Möglichkeiten des zwanglosen Austauschs. „Viele Menschen kommen dann zu uns um sich einfach mal auszusprechen, über ihre Ängste, Nöte und Sorgen zu reden. Nach dem Prinzip „gemeinsames Leid ist halbes Leid“ gehen diese Menschen gestärkt und mit neuem Mut und Elan nach Hause.“

An Bedürfnisse orientieren

Die Aktivitäten der sozialen Einrichtung richtet sich stets nach den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen vor Ort. So hat die Organisation seit einiger Zeit Vorbereitungskurse zur theoretischen Fahrprüfung für Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund gestartet. „Wir helfen mit einem Theoriekurs in leichter deutscher Sprache, so dass diese Jugendlichen überhaupt eine Chance haben, diese, für einen Job oder eine Ausbildung zwingend wichtige Prüfung zu schaffen“, erklärt Bianca Croé. Computerkurse für Einsteiger, der „öffentliche Schreiber“, zur Erstellung von Dokumenten und Behördenanfragen, der Nähtreff „Aus alt mach neu!“ sowie das Elterncafé in enger Kooperation mit Kaleido sind ebenfalls wichtige Knotenpunkte der Sozialarbeit. Aber auch gemeinsame Freizeitaktivitäten wie das „Malen gegen Einsamkeit“, die „Djembé-Trommelgruppe Viertelhaus“ oder aber der Musiktreff „Come Together Songs“ schürt die Gemeinschaft und somit auch zwangsläufig die Harmonie der Menschen.

KBS weiterhin verlässlicher Partner

„Die geleistete Arbeit hier bei Intego und auch im Viertelhaus Cardijn ist beispielhaft und es wird mir eine Ehre sein, die verschiedenen Projekte und Maßnahmen auch in Zukunft mit Hilfe unserer Fonds zu unterstützen“, betonte Brieuc Van Damme zusammen mit dem Regionalverantwortlichen Freddy Genten. Interessiert zeigte sich der KBS-Geschäftsführer vom großen Zukunftsprojekt in der Textilstraße in der Eupener Industriezone. Hier soll nach Plänen von Indigo ein zentrales, 3500 m2 großes Atelier entstehen, das alle Dienste unter einem Dach vereint, so dass die beiden Schlüssel zu einer gelungenen Integration, die Beherrschung der Sprache und die berufliche Qualifikation, an einem Standort angeboten werden. „Das Gelände ist bereits bestimmt und die Projektautoren bezeichnet. Wir hoffen, dass wir den Grundstein für dieses 8 Mio € Projekt 2024 legen können, während der Einzug - auch wenn es sportlich klingen mag - 2025 erfolgen soll“, so Bernd Despineux.

„Ich lerne interessante Initiativen kennen und stelle fest, dass die KBS einem großen Haus mit vielen Zimmern und Nischen gleicht, in denen es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt.“
Brieuc Van Damme
Geschäftsführer der KBF

„Wir arbeiten sehr gerne mit den Menschen und Vereinigungen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft zusammen, da wir wissen, dass die Verantwortlichen hier mit Herzblut bei der Sache sind und sich auch vor Problemen nicht scheuen. Aus diesem Grund wird die KBS mit Sicherheit nicht das letzte Mal hier im Viertelhaus Cardijn und bei Intego zu Gast sein“, versprach Brieuc Van Damme nach der Besichtigung der Räumlichkeiten.

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