Bericht

Hochbeete auf einem Friedhof

Im Rahmen des „My PlayGreen“-Projektaufrufs der König-Baudouin-Stiftung und Timberland konnte der ehemalige Jacobi-Friedhof in Berlin/Neukölln einer neuen Bestimmung zugeführt werden. Aus dem Friedhof entstand ein schmuckes Gartenareal, das von allen Altersklassen genutzt werden kann.

Seit geraumer Zeit sind Erdbestattungen in Ballungszentren und Metropolen die absolute Ausnahme. Das bestätigt auch Luciana Saalbach, Verantwortliche des Prinzessinnengartens: „Die meisten Menschen entscheiden sich für eine Feuerbestattung. Das bedeutet also, dass neue Parkflächen entstehen, die von den zuständigen Friedhofsverbänden unterhalten werden müssen.“

Auf der Suche nach Partnern bei der Pflege und dem Unterhalt des Jacobi-Friedhofs in Neukölln reifte die Idee, den bestehenden und räumlich arg eingeengten „Prinzessinnengarten“ umzusiedeln und räumlich zu erweitern. „Wir haben mit unserem Projekt beim evangelischen Friedhofsverband, dem Besitzer des Jacobi-Friedhofs in Neukölln, wahrlich offene Türen eingerannt und somit eine alternative Nutzung des insgesamt 4 ha großen Areals bewirkt“, so Luciana Saalbach.

Der Prinzessinnengarten ist ein ehrgeiziges Jugendprojekt, das in dem Brennpunkt-Viertel Neuköllns auf niederschwellige Umweltbildung setzt. „Die Jugendarmut in unserem Viertel ist enorm. Viele Familien sind auf staatliche Transferleistungen angewiesen, so dass die Kinder und Jugendlichen die Leidtragenden sind. Dieser grassierenden Jugendarmut und der damit verbundenen Stigmatisierung möchten wir etwas entgegensetzen, so dass das bisherige, seit nunmehr zehn Jahren bestehende Projekt bereits ein toller Erfolg war. Mit dem neuen Areal am Jacobi-Friedhof bekommen wir die Möglichkeit unsere Arbeit besser und gezielter denn je fortzusetzen“, schwärmt die Leiterin Luciana Saalbach.

Wege aus der Kinderarmut

Von der insgesamt 8 ha großen Friedhofsfläche wurde dem Projekt 4 ha zum Bespielen und Bearbeiten zur Verfügung gestellt. Mit der finanziellen Hilfe vonseiten Timberland in Höhe von 5000 € wurde das Projekt zur Schaffung einer Umweltbildungsfläche angeschoben. „Wir haben endlich eine Infrastruktur auf der wir Platz haben unsere Konzepte Kitas, Schulen, sozial schwachen und migrantisch geprägten Kindern und Jugendlichen näherzubringen. So entsteht derzeit ein toller Gemeinschaftsgarten, der die Menschen einander näher bringt“, so Saalbach voller Enthusiasmus. Durch die Schaffung der Gemeinschaftsgärten bleibt die Grünfläche inmitten der Stadt als öffentlicher urbaner Naturerfahrungsraum erhalten.

Zusammen mit den Kindern, Jugendlichen und Nachbarn wurden Beete angelegt und bepflanzt. Hierfür wurden entsprechende zielorientierte Workshops abgehalten, die zur Selbständigkeit bei der Bepflanzung und der Pflege der Beete erziehen sollen. „Wir möchten, dass sich die Menschen selbst um ihre Grünflächen und Beete kümmern. Wir stehen aber jederzeit mit Rat und Tat zur Seite“.

Auch wurden auf dem zur Verfügung stehenden Areal bereits Streuobstbepflanzungen vorgenommen und diverse Hochbeete eingerichtet. „Wir stellen fest, dass die Kinder und selbst die Jugendlichen vor Neugier nur so strotzen und beim Beobachten der Wachstumsergebnisse ihrer Pflanzen stolz wie Bolle sind. Diese Erziehung zu mehr Selbstständigkeit und Eigenverantwortung stärkt zudem das eigene Selbstwertgefühl und die Selbstachtung, zwei Aspekte, die in dem sozial benachteiligtem Umfeld der betroffenen Kids und Teenies meist zu kurz kommen“.

Selbstständigkeit und Selbstwertgefühl

Ob jetzt Obstbäume oder Naschobsthecken, die Resonanz und auch die Freude bei der Arbeit in der Natur sei beeindruckend, so die Einschätzung der Projektleiter. „Wir haben einen kleinen Bauwagen angeschafft, in dem Gartenmaterial zur Verfügung steht. Dieser ist auch zu einem beliebten Anlaufpunkt geworden, wenn sich die neuen Hobbygärtner untereinander austauschen“, so Luciana Saalbach weiter. In den Workshops legen die Verantwortlichen großen Wert auf die Nachhaltigkeit, so dass vor allem naturspezifische Themen angesprochen werden. Großen Erfolg feierte das Team beispielsweise mit den Workshops zur Sirup-Herstellung und dem Ziehen von Stecklingen. „Viele Menschen aus der Stadt haben den Bezug zu diesen Möglichkeiten vollends verloren. Dabei ist es so einfach, Leckeres aus Obst und Gemüse, das vor Ort angebaut wird, zu zaubern. Diese Arbeit steigert zudem die Wertschätzung für das Produkt. Plötzlich wird nicht mehr jede krumme Karotte als „misslungen“ und „unverkäuflich“ dargestellt - die Menschen lassen sich mehr von der Qualität und vom Geschmack überzeugen“, so die neu gelebte Philosophie.

„Wir sind ob der tollen Anschubhilfe vonseiten Timberland im Rahmen des My PlayGreen-Projektes mehr als glücklich. Jetzt geht es darum, nach dem Aufbau Folgeförderungen und Partner zu finden, damit wir mittel- und langfristig aus dem Areal ein „grünes Schmuckstück“ schaffen können“, erklärte Luciana Saalbach, die in diesem Zusammenhang auf eine breite Partizipation setzt.

Partizipation als Schlüssel zum Erfolg

„Wir müssen alle Akteure mit ins Boot bringen um gemeinsam schnelle und gute Lösungen für unsere Probleme zu finden“, so der Tenor. Die Nachfrage vonseiten der lokalen Kitas und Grundschulen sei bereits sehr groß, während immer mehr Kinder und Familien die Grünfläche mit der Möglichkeit der Gemeinschaftsgärten für sich entdecken und auch nutzen. Während der Ferien wurde im Rahmen der COVID19-Maßnahmen ein offenes Betreuungsprogramm angeboten, das ebenfalls rege genutzt wurde. „Diese Form von Ferienbetreuung funktioniert bei uns sehr gut, denn wir haben in den Vergangenheit erfahren, dass feste Programme mit zwingenden Anmeldungen von den Familien unseres Viertels nicht angenommen werden. Daher offen, frei, flexibel und mit einer gehörigen Portion an Improvisation in und mit der Natur.“

„Wir stellen fest, dass die Kinder und selbst die Jugendlichen beim Beobachten der Wachstumsergebnisse ihrer Pflanzen stolz wie Bolle sind.“
Luciana Saalbach
Verantwortliche des Prinzessinnengartens Berlin

Angedacht ist in naher Zukunft auch die Organisation von so genannten „Grünen Klassenzimmern“, so dass die Kids den ökologischen Kreislauf vom Samen oder Setzling bis hin zur Kompostierung spielerisch erlernen. Natürlich bleibt bei so viel Gartenarbeit auch noch genügend Platz und auch Zeit zum zwanglosen Spielen auf den zur Verfügung stehenden Freiflächen. „Ja, wir würden gerne ein grünes Klassenzimmer schaffen. Wir dachten da an einen kleinen Pavillon mit Hockern und Sitzmöglichkeiten. Das alles aber unter Wahrung der Pietätspflicht, denn wir agieren nach wie vor auf einem Friedhof. Dessen sind wir bewusst. Wir haben noch eine ganze Reihe anderer toller Ideen, die auf eine Verwirklichung warten. Diese angestrebte Nachhaltigkeit wird uns durch den bewusst lang gehaltenen Mietvertrag mit dem Freidhofsverband gesichert und garantiert. Hier im neuen Prinzessinnengarten entsteht somit ein Projekt mit Nachahmungspotenzial“, erklärte Luciana Saalbach abschließend.

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