Bericht

Das Werk von Memling wieder zurück in Brügge - dank eines Philanthropen

"Für mich ist Brügge ein seltener Schatz. Das hat bei meiner Entscheidung, das Werk aus meiner Sammlung wieder nach Brügge zurückkehren zu lassen, mitgespielt.“
Bill Middendorf
Philanthrop

Ein Porträt von Francisco de Rojas ist erneut in Brügge zu bewundern, in der Stadt, in der Hans Memling das Gemälde im 15. Jahrhundert erschaffen hat. Dies ist dem amerikanischen Philanthropen Bill Middendorf zu verdanken, der hinter dieser durch die King Baudouin Foundation US begleiteten Schenkung steht. Damit schließen sich zwei Kreise: Das Werk kehrt wieder an den Ort seiner Entstehung zurück und ein Diplomat und Philanthrop mit einem Herz für die Kunst schenkt das Porträt eines Diplomaten und Mäzens.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Museum sich über ein derartiges Kunstwerk freuen kann. „Eine so bedeutende Schenkung dürfen wir zum ersten Mal entgegennehmen“, sagt Till-Holger Borchert, der künstlerische Direktor der Städtischen Museen Brügge. Das Werk bleibt zunächst im Besitz der KBF US, die die Schenkung begleitete, wird aber ab sofort als langfristige Leihgabe an die Brügger Museen übergeben, die später dann auch Eigentümer des Werkes werden.

Das Porträt zeigt Francisco de Rojas, Nachkomme einer bedeutenden spanischen Familie und Botschafter Spaniens am burgundischen Hof, und war Teil eines Triptychons. „Es handelt sich um eine der wenigen Abbildungen, die die spanische Anwesenheit im damaligen Handelszentrum Brügge im Mittelalter dokumentieren“, so Borchert. „Wir haben diesbezüglich schon viele schriftliche Unterlagen in den Archiven, aber nur wenig Abbildungen. Und nun so ein Gemälde, von jemandem, der Mitglied einer bedeutenden Familie war und der außerdem von Memling gemalt wurde, der damals zu den tonangebenden Bürgern gehörte.“

Eine besondere Chance

„Diese Schenkung ist noch zusätzlich besonders, weil davon ausgegangen wird, dass nur noch zwei oder drei Memlings in Privatbesitz sind und daher ‚den Ort wechseln können‘. Alle anderen sind bereits in Museen untergebracht“, sagt Thomas Leysen, Vorsitzender der König-Baudouin-Stiftung und des flämischen Topstukkenraad für die Wahrung beweglichen Kulturerbes. „Bei diesem Werk handelte es sich also um eines der wenigen, die wir noch nach Brügge ‚nach Hause‘ holen konnten. Wir freuen uns dann auch sehr, dass uns dies geglückt ist.“

Ein kunstbegeisterter Diplomat

Das Werk wurde von dem Amerikaner John William ‚Bill‘ Middendorf gestiftet, dessen lange berufliche Laufbahn ihn Anfang der 1970er Jahre als Botschafter der USA in die Niederlande führte. Darüber hinaus ist er ein leidenschaftlicher Kunstliebhaber, der selbst komponiert, zeichnet und malt - selbst im Alter von 95 Jahren nimmt er noch fast täglich seine Zeichenutensilien zur Hand. Seine Leidenschaft hat ihn auch zum Kunstsammler gemacht, wobei ihn vor allem die Werke der alten niederländischen Meister interessierten.

Bill Middendorf war immer bestrebt, seine Leidenschaft mit anderen zu teilen und er hat unter anderem dem Metropolitan Museum in New York verschiedene Werke geschenkt. Und nun auch unserem Land.

Ein seltener Schatz

„In den letzten 55 Jahren habe ich Brügge entdeckt und bin regelmäßig in die Stadt gereist“, erzählt Middendorf. „Für mich ist Brügge ein seltener Schatz der Welt, da es weitgehend so erhalten ist, wie es im Mittelalter war. Die Schönheit der Stadt und die jahrhundertealte Kunst ziehen mich immer wieder dorthin.“

Nach dem Tod des vorherigen Privateigentümers kam das Werk als Leihgabe für eine Ausstellung nach Brügge. Dann, 2002, wurde es von den Erben zum Verkauf angeboten und von Bill Middendorf erworben. In dieser Zeit lernte er den Brügger Museumsdirektor und Sachverständigen Till-Holger Borchert kennen. „Ich schätze Till-Holger Borchert als Kunsthistoriker und als Freund, zu dem er über die Kunst geworden ist. All dies hat bei meiner Entscheidung, das Werk aus meiner Sammlung wieder nach Brügge zurückkehren zu lassen, mitgespielt.“

KBFUS ART beglückwünscht zu dieser Schenkung

Natürlich packt man ein derart herausragendes Meisterwerk nicht in Geschenkpapier in sein Handgepäck; eine grenzüberschreitende Kunstschenkung ist eine kulturell, rechtlich und steuerlich komplexe Angelegenheit. Um Stifterinnen und Stiftern aus den USA zu helfen, hat die King Baudouin Foundation US vor ein paar Jahren das Programm KBFUS ART gegründet. Diese Schenkung des Werks von Memling ist ein schönes Beispiel für die Bedeutung des Netzwerks der König-Baudouin-Stiftung als global philanthropic enabler. Nicht nur im Hinblick auf Schenkungen im Bereich Kulturerbe, sondern auch zur Begleitung von philanthropischen Spenden an Projekte oder Organisationen mit einem sozialen, kulturellen, (medizinisch-) wissenschaftlichen oder akademischen Zweck über Grenzen hinweg.

„Die Begleitung durch die KBFUS war ein wesentlicher Faktor, um die Rückkehr des Gemäldes nach Brügge zu ermöglichen“, sagt Till-Holger Bolchert. „Die Möglichkeit, die die KBFUS für Kunstschenkungen eingerichtet hat, sorgte für einen reibungslosen Ablauf. Ich kann noch gar nicht glauben, dass das alles wahr ist, das ist fantastisch.“

Das Gemälde ist in der Ausstellung ‚Memling Now‘ im Sint-Janshospitaal (Memlingmuseum) zu sehen. Die Ausstellung läuft vom 1. Oktober 2020 bis zum 1. Februar 2021. Im Anschluss daran verbleibt das Werk als langfristige Leihgabe in der Sammlung des Memlingmuseums.

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