Bericht

Senioren drücken die „digitale Schulbank“

2021

Ausgangsbeschränkungen, Reiseverbot, enge Kontaktblasen, Besuchsverbote und Quarantäne, das sind die aktuellen Schlagwörter in Zeiten der andauernden Pandemie. Diese „Palette an Einsamkeit“ trifft vor allem die älteren Semester, da die Senioren im Umgang mit digitalen Kommunikationsmitteln und Netzwerken meist nur wenig vertraut sind und somit in ihren eigenen vier Wänden isoliert bleiben.

Der verantwortlichen Bütgenbacher Schöffin Martha Limburg war es bereits seit längerer Zeit ein Anliegen, die Senioren der Gemeinde in diesem digitalen Alltagsleben zu integrieren.

"Hilfe macht abhängig“

In Zusammenarbeit mit dem kommunalen Öffentlichen Sozialhilfezentrum (ÖSHZ) und Gaby Zimmermann wurde ein Projekt mit einem schlüssigen Konzept ausgearbeitet und im Rahmen des Projektaufrufs „Innovative Kommunikationsmittel in Ostbelgien“ und des Fonds Eudomos mit der Hilfe des KBS-Lokalverantwortlichen Freddy Genten eingereicht. „Hilfe macht abhängig, das nicht nur bei Senioren, so dass wir mit unserer Maßnahme das „learning by doing“ fördern möchten um den Teilnehmern mehr Selbständigkeit im Umgang mit den digitalen Medien zu ermöglichen“, so Martha Limburg.

Anschubhilfe

Der Fonds Eudomos der König-Baudoin-Stiftung beteiligt sich an diesem nachahmenswerten Projekt mit einem Betrag von insgesamt 7500 €. Diese finanzielle Unterstützung, die der Anschaffung von Tablets sowie von entsprechender didaktischer Präsentationshardware dient, sehen Martha Limburg und Gaby Zimmermann als exzellente Anschubhilfe ihres Projektes: „Mit der Gemeinde und auch der DG sitzen somit drei Partner in einem Boot, um den Senioren effizienteren Zugang zu Informationen und Kommunikationsmitteln zu bieten. In dieser Kooperation sehe ich einen großen Vorteil und auch eine Garantie in Bezug auf die von uns angestrebte Nachhaltigkeit“, erklärte die Schöffin weiter.

„Silver Surfer" als Multiplikatoren

In enger Zusammenarbeit mit dem Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft und dem Medienzentrum möchte man das Angebot des Bundeslandes Rheinland-Pfalz zur Ausbildung so genannter „Silver Surfer“ nutzen, um interessierte und Technik affine Senioren als „Technik-Botschafter“ zu qualifizieren, die dann mit den erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten als Multiplikatoren für eine gezielte Fort- und Weiterbildung der Alterskolleginnen und -kollegen fungieren können. Dass die neuen Medien der Generation 60+ viele Möglichkeiten und auch tägliche Erleichterungen bieten können, dessen sind sich die Projektplaner gewiss. Aber es handele sich um eine Kompetenz, die erst einmal sicher erlernt werden möchte.

Hemmschwellen und Berührungsängste abbauen

Während die Kids mit den neuen Geräten quasi aufwachsen, bestehe bei den Senioren mitunter eine gewisse Hemmschwelle, die es zu überwinden gilt. Die angedachten Kurse und Workshops sollen die Möglichkeiten des Internets aufzeigen, aber auch gezielt auf die Gefahren hinweisen. Außerdem werden Unterhaltungsmöglichkeiten im Internet vorgestellt, während ein wichtiges Thema der Datenschutz und der effiziente Umgang mit Handy, Smartphone und Tablet bilden werden. Vorgesehen ist die gezielte Informationssuche im World-Wide-Web, die Kontaktpflege über das Internet, der Kontakt zu Behörden und Instanzen, das Online-Banking sowie der sichere Online-Einkauf.

Geselliges Senioren-Surfen

Das Projekt wurde bereits im Gemeindeblatt Bütgenbachs vorgestellt und Martha Limburg freut sich in diesem Zusammenhang über ein tolles Feedback mit interessanten Anregungen, die in das Projekt mit einfließen können. Neben der reinen Wissensvermittlung und der Praxisschulung steht aber auch der soziale Aspekt im Vordergrund: „Momentan sind Treffen für uns leider nicht möglich, denn wir wissen, dass diese Art von Maßnahmen auch von vielen Alleinstehenden dazu genutzt wird, einen Plausch mit anderen Senioren zu führen und sich auszutauschen. Wenn die sanitären Bestimmungen dies erlauben, werden wir diese zwanglosen „Computertreffs“ auch anbieten, so dass eine gewisse Gruppendynamik entstehen kann. Diese Möglichkeit der Begegnung, dieser soziale Aspekt ist sehr wichtig, so dass wir jeden mitnehmen möchten, egal auf welchem Wissens- und Kenntnisstand er sich befindet“, meinte die Schöffin Martha Limburg weiter.

Mit der Enkelin in den USA skypen

Sogar Senioren aus den umliegenden Gemeinden und Bewohner des Seniorenheims haben ihr Interesse an diesen Workshops bereits kundgetan. Vielen gehe es einfach darum, aus der Isolation zu entfliehen und einen Kontakt zur Familie, zu Freunden und Verwandten zu schaffen. „Es ist doch ermutigend in diesen Zeiten als Ü90 mit dem Enkel in den USA trotz Reiseverbote und Quarantänen über Skype oder FaceTime zu kommunizieren und sich gegenseitig Mut zuzusprechen“, betonte Martha Limburg. Die Initiatorin gibt sich jedenfalls optimistisch und glaubt quasi an einen „Selbstläufer“: „Wenn erst einmal das Interesse bei den Senioren für diese neuen digitalen Möglichkeiten geweckt ist, werden sich neue Wege auftun, die unter anderem eine gegenseitige Hilfe bei Problemen aufzeigt.“

Langfristig etablieren

„Wir möchten ältere Mitmenschen ansprechen und ihnen durch digitale Möglichkeiten mehr Lebensqualität und soziale Stärke bieten.”
Martha Limburg
Schöffin der Gemeinde Bütgenbach

Der Seniorenbeirat der Gemeinde Bütgenbach setzt sich für die Belange und die Steigerung der Lebensqualität von Senioren ein und setzt bewusst nicht auf „Schnellschüsse“. „Nein, das Projekt soll langfristig etabliert werden, so dass wir von der Gemeinde auch die schmucken Räumlichkeiten im Steiner Hof, in direkter Nähe des Seniorenwohnheims zur Verfügung stellen“, so Martha Limburg. Der Trakt gehöre der Gemeinde Bütgenbach und habe die Zweckbestimmung „Leben und Menschlichkeit gegen die Isolation im Alltag zu organisieren“. „Eine Daueraktivität wie der „digitale Austausch für Senioren“ tut dem gesamten Komplex gut und ist mit Sicherheit richtungsweisend für die Zukunft der Seniorenpolitik in unserer Gemeinde“.

Über den Fonds Eudomos

Der Fonds Eudomos wird von der König-Baudouin-Stiftung verwaltet und unterstützt innovative Projekte zugunsten von Senioren in Ostbelgien. Die geförderten Initiativen zielen darauf ab, Dienstleistungen für ältere Menschen zu stärken oder zu erweitern und die Schaffung neuer Dienstleistungen zu fördern (Projektarbeit, Schulungsinitiativen, Sensibilisierungsmaßnahmen, Coaching von Mitarbeitern oder Freiwilligen). Seit seiner Gründung im Jahr 2020 hat er 3 Projekte mit einer Gesamtsumme von 23.000,- Euro unterstützt. Das Projekt 'Digitaler Austausch für Senioren' des ÖSHZ Bütgenbach ist eines davon.

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